Die Unternehmensinsolvenzen steigen weltweit – und Deutschland steht im Zentrum dieses besorgniserregenden Trends. Laut einer aktuellen Analyse von Allianz Trade bleibt das Insolvenzgeschehen auch 2025 auf hohem Niveau. Besonders alarmierend: Großinsolvenzen nehmen weiter zu und verursachen beträchtliche wirtschaftliche Schäden.

Entwicklung der Unternehmensinsolvenzen weltweit und in Deutschland

Die Insolvenzen in Deutschland steigen seit drei Jahren wieder an. Grafik & Quelle: Allianz Research

Die globale Anzahl an Insolvenzen steigt auch 2025 weiter: Allianz Trade prognostiziert ein Plus von 8 bis 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für 2026 wird ein weiterer Anstieg um 5 Prozent erwartet – das wäre das fünfte Jahr in Folge mit steigenden Insolvenzzahlen.

 

In Deutschland zeigt sich der Aufwärtstrend besonders deutlich:

  • 2024: +22 % auf ca. 22.000 Fälle
  • 2025: Prognose +11 % auf rund 24.400 Insolvenzen
  • 2026: +3 % auf geschätzte 25.050 Fälle

Bereits im ersten Halbjahr 2025 zeichnet sich der Anstieg ab – laut der Auskunftei Creditreform gab es in diesem Zeitraum so viele Insolvenzen wie seit zehn Jahren nicht mehr. Damit bleibt Deutschland einer der am stärksten betroffenen Märkte in Westeuropa – nur Frankreich liegt noch darüber.

Ursachen: Warum steigen die Insolvenzen?

Leeres ProduktionsbandDie Zunahme der Insolvenzen ist das Ergebnis eines gefährlichen Zusammenspiels mehrerer Faktoren:

  • Verzögerte Zinswende: Die erhoffte Entlastung durch sinkende Leitzinsen bleibt aus. Hohe Finanzierungskosten treffen vor allem kleine und mittelständische Unternehmen hart.
  • Investitionszurückhaltung & Nachfrageflaute: In einem von Unsicherheit geprägten Marktumfeld agieren viele Unternehmen defensiv.
  • Geopolitische Risiken: Handelskonflikte, der Krieg in der Ukraine und Spannungen in Asien belasten den Welthandel.
  • Strukturelle Herausforderungen in Deutschland: Bürokratie, hohe Energiekosten und schleppende Digitalisierung wirken zusätzlich belastend.

Großinsolvenzen im Fokus: Eine tickende Zeitbombe

Die Zahl der Großinsolvenzen – definiert als Pleiten von Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 50 Millionen Euro – befindet sich auf einem Rekordhoch:

  • Q1 2025 weltweit: 122 Fälle, ein Plus von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum
  • Deutschland: 16 Großinsolvenzen im ersten Quartal – das sind 13 Prozent der weltweiten Fälle

Schon 2024 hatte Deutschland mit 87 Großinsolvenzen (+36 % zum Vorjahr) einen Negativrekord verzeichnet. Auch 2025 zeichnet sich keine Entspannung ab.

Auswirkungen

  • Kumulierte Schäden Q1 2025: 2,2 Mrd. Euro Umsatz betroffen
  • Durchschnittlicher Umsatz pro insolventem Unternehmen: 135 Mio. Euro
  • Dominoeffekte auf Zulieferer, insbesondere im verarbeitenden Gewerbe und Dienstleistungssektor

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Großinsolvenzen nach Branchen

Ein Blick auf die Großinsolvenzen im ersten Quartal 2025 zeigt deutlich, welche Branchen aktuell am stärksten unter Druck stehen. Besonders betroffen sind klassische Hochrisikosektoren, aber auch vermeintlich robuste Bereiche geraten zunehmend ins Wanken.

1. Dienstleistungssektor

Mit 23 Großinsolvenzen weltweit im ersten Quartal ist der Dienstleistungsbereich erneut Spitzenreiter. In Deutschland zählten unter anderem drei Kliniken zu den Pleitefällen. Auch Hotels und touristische Anbieter sind gefährdet. Die Ursachen: hohe Fixkosten, Personalknappheit und die Auswirkungen der Konjunkturschwäche.

2. Einzelhandel

Der (textile) Einzelhandel verzeichnete weltweit 21 große Insolvenzen im Q1 2025 – allein in Deutschland mussten drei große Händler aufgeben. Bereits 2024 war der Einzelhandel mit 13 Großinsolvenzen ein Schwerpunkt. Der strukturelle Wandel hin zum Onlinehandel, Margendruck und Konsumzurückhaltung setzen den Unternehmen massiv zu.

3. Baugewerbe

14 Großinsolvenzen weltweit im ersten Quartal bleibt die Branche auch 2025 auf hohem Krisenniveau. In Deutschland war das Baugewerbe schon 2024 mit 14 Großinsolvenzen besonders betroffen. Steigende Materialkosten, Finanzierungshürden und Projektstornierungen belasten die Unternehmen schwer.

Autositz von Recaro4. Automobil- und Zulieferindustrie

Im ersten Quartal 2025 meldeten zwei große Automobilzulieferer in Deutschland Insolvenz an. Die Branche kämpft mit Transformationsdruck, geopolitischen Risiken und sinkender Nachfrage. Bereits 2024 war sie für einige der umsatzstärksten Großinsolvenzen weltweit verantwortlich – insbesondere in China.

5. Chemieindustrie

Ebenfalls auffällig: zwei große Chemieunternehmen in Deutschland meldeten im Q1 2025 Insolvenz an. Energieintensive Produktion, volatile Rohstoffpreise und internationale Konkurrenz machen dem Sektor zu schaffen.

Unternehmen brauchen jetzt strategische Resilienz

Die anhaltend hohe Zahl an Insolvenzen – insbesondere bei Großunternehmen – zeigt: Die wirtschaftliche Lage bleibt angespannt. Für Unternehmen ist jetzt entscheidend, ihre Krisenresistenz zu stärken:

  • Liquiditätsplanung und Kostenkontrolle
  • Diversifikation von Lieferketten
  • Frühzeitige Risikoerkennung in Kunden- und Lieferantenstruktur
  • Investitionen in Digitalisierung und Effizienzsteigerung
  • Passgenaue Absicherung vor Zahlungsausfällen durch Kundeninsolvenzen – zum Beispiel durch eine Kreditversicherung

Nur wer jetzt proaktiv handelt, kann die eigenen Risiken reduzieren – und vielleicht sogar gestärkt aus der Krise hervorgehen.

Schutz vor Zahlungsausfällen