Die wirtschaftliche Lage im deutschen Einzelhandel bleibt angespannt – und die Folgen sind in vielen Innenstädten längst sichtbar. Leerstände, Geschäftsaufgaben und eine spürbar sinkende Konsumlaune prägen das Bild. Aktuelle Prognosen zeichnen ein klares, wenn auch besorgniserregendes Szenario für das Jahr 2026.

Dramatischer Rückgang: Tausende Geschäfte vor dem Aus

Bild zu Creditreform Zahlungsindikator: Längere Zahlungsziele treffen auf Rekord-Insolvenzen: Geschlossener LadenNach aktuellen Zahlen des Handelsverband Deutschland (HDE) werden in diesem Jahr rund 4.900 Geschäfte in Deutschland verschwinden – und das bereits unter Berücksichtigung von Neueröffnungen. Die tatsächliche Zahl der Schließungen liegt also noch deutlich höher.

Besonders alarmierend: Erstmals könnte die Gesamtzahl der stationären Geschäfte auf unter 300.000 sinken – konkret auf etwa 296.600. Vor zehn Jahren lag diese Zahl noch bei rund 367.000. Damit ist innerhalb eines Jahrzehnts etwa jedes fünfte Ladenlokal verschwunden.

Seit Jahren verliert Deutschland jährlich mindestens 4.500 Geschäfte – in den Corona-Jahren sogar mehr als 11.000.

Ursachen: Nachfolgeprobleme, Insolvenzen und fehlende Perspektiven

Sterben im Einzelhandel: Immer mehr Geschäfte schließenDie Gründe für das Ladensterben sind vielfältig:

  • Fehlende Nachfolgeregelungen bei inhabergeführten Geschäften
  • Schwindende Rentabilität und unsichere Zukunftsaussichten
  • Zunehmende Insolvenzen, insbesondere bei kleinen Unternehmen

Eine Untersuchung von Creditreform zeigt, dass die Unternehmensinsolvenzen 2025 deutlich gestiegen sind. Besonders betroffen: Kleinstunternehmen, das verarbeitende Gewerbe – und der Einzelhandel. Allein im Handel stiegen die Insolvenzen um über zehn Prozent.

Auch Allianz Trade bestätigt diese Entwicklung: Zwischen August 2024 und August 2025 wurden 2.490 Insolvenzen im Einzelhandel registriert – nur knapp unter dem Höchststand der letzten neun Jahre.

Konsumflaute belastet den Handel zusätzlich

Neben strukturellen Problemen leidet der Einzelhandel massiv unter einer schwachen Nachfrage. Die Konsumlaune bleibt gedämpft – und eine schnelle Erholung ist nicht in Sicht.

Die Konsumlaune sinkt 2026Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sprechen eine klare Sprache:

  • Die Inflationsrate soll laut Prognosen 2026 bei 2,8 % liegen
  • 2027 wird ein weiterer Anstieg auf 2,9 % erwartet
  • Höhere Preise bremsen den privaten Konsum deutlich aus.

Besonders kritisch ist die aktuelle Entwicklung, da die Einkommenserwartungen der Verbraucher deutlich sinken und gleichzeitig rund 60 Prozent der Deutschen davon ausgehen, dass die Energiepreise dauerhaft auf einem hohen Niveau bleiben werden. Hinzu kommen globale Krisen und geopolitische Konflikte, die die allgemeine Unsicherheit weiter verstärken und sich zusätzlich negativ auf das Konsumverhalten auswirken.

Innenstädte im Wandel: Leerstände nehmen zu

Die Folgen dieser Entwicklung sind in deutschen Innenstädten unübersehbar. Immer mehr Ladenlokale stehen leer, ganze Einkaufsstraßen verlieren an Attraktivität.

Der Einzelhandel spielt jedoch eine zentrale Rolle für urbane Zentren:
Einkaufen ist nach wie vor der Hauptgrund für Innenstadtbesuche.

Fehlen Geschäfte, hat das weitreichende Konsequenzen:

  • Rückgang der Besucherfrequenz
  • Weniger Gastronomie- und Freizeitangebote
  • Sinkende Lebensqualität in Stadtzentren

Europa zeigt gemischtes Bild

In Frankreich gehen die Insolvenzen im Einzelhandel zurückEin Blick ins Ausland macht deutlich: Die Entwicklung ist kein rein deutsches Problem – aber auch kein unausweichliches Schicksal.

Während Deutschland weiterhin steigende Insolvenzzahlen verzeichnet, zeigen andere Länder bereits positive Trends:

  • Frankreich: -2 % Insolvenzen
  • Niederlande: -23 %
  • Großbritannien: -10 %

Diese Entwicklungen lassen zumindest hoffen, dass auch in Deutschland mittelfristig eine Stabilisierung möglich ist.

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