Internationale Geschäftsbeziehungen bieten enorme Chancen für Unternehmen. Gleichzeitig steigen jedoch auch die Risiken, wenn Rechnungen im Ausland nicht bezahlt werden. Eine aktuelle Studie von Allianz Trade zeigt, dass das Eintreiben internationaler Forderungen weiterhin schwierig bleibt – und in vielen Ländern sogar besonders komplex ist.

Hohe Inkasso-Komplexität weltweit

Beim Inkasso geht es um bares GeldDie Analyse „Trade receivables in a fragmented world: Navigating Collection Complexity“ von Allianz Trade bewertet, wie schwierig es für Unternehmen ist, offene Forderungen in verschiedenen Ländern einzutreiben.

Das Ergebnis: Die weltweite Komplexität beim internationalen Forderungseinzug liegt laut Allianz Trade weiterhin auf einem hohen Niveau. Auf einer Skala von 0 bis 100 erreicht der sogenannte „Collection Complexity Score“ aktuell einen Wert von 47,2 und damit die Einstufung „Hoch“.

Ein wesentlicher Grund dafür sind anhaltend hohe Unternehmensinsolvenzen, geopolitische Spannungen, zunehmender Protektionismus sowie steigende digitale Risiken im internationalen Handel.

Deutschland gehört zu den besten Ländern für Forderungseinzug

Trotz der globalen Herausforderungen gibt es deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Ländern. Laut der Studie zählen Deutschland, die Niederlande und Portugal zu den Ländern, in denen sich internationale Forderungen vergleichsweise am einfachsten durchsetzen lassen.

Am anderen Ende der Skala stehen dagegen Länder wie Saudi-Arabien, Mexiko und die Vereinigten Arabischen Emirate. Dort ist der Forderungseinzug besonders schwierig und mit deutlich mehr rechtlichen, organisatorischen und kulturellen Hürden verbunden.

Bemerkenswert: In besonders komplexen Ländern kann der Forderungseinzug laut Studie bis zu dreimal schwieriger sein als etwa in Deutschland.

Fast die Hälfte der internationalen Forderungen liegt in komplexen Märkten

Ein weiterer zentraler Befund der Allianz-Trade-Analyse: Rund 48 Prozent der internationalen Handelsforderungen befinden sich in Ländern mit sehr hoher oder sogar schwerwiegender Inkasso-Komplexität.

Mit dem Wachstum des Welthandels steigt auch der finanzielle Umfang dieser Risiken. Nach Berechnungen von Allianz Trade summieren sich die entsprechenden Forderungen inzwischen auf rund 1,1 Billionen US-Dollar.

Für exportorientierte Unternehmen bedeutet das: Professionelles Forderungsmanagement wird immer wichtiger – insbesondere bei internationalen Geschäften.

Insolvenzverfahren sind größter Treiber der Inkasso-Komplexität

Die Studie zeigt außerdem, dass Insolvenzen weltweit der wichtigste Faktor für Schwierigkeiten beim Forderungseinzug sind.

Im Durchschnitt machen insolvenzbezogene Faktoren mehr als die Hälfte der gesamten Inkasso-Komplexität aus.

Typische Probleme sind unter anderem:

  • geringe Chancen auf Rückzahlung für ungesicherte Gläubiger
  • komplizierte oder ineffiziente Insolvenzverfahren
  • hohe Abschreibungen bei Umschuldungen
  • begrenzte Möglichkeiten außergerichtlicher Einigungen

Gerade bei internationalen Forderungen kann ein Insolvenzverfahren im Ausland schnell dazu führen, dass Unternehmen ihre offenen Rechnungen nur noch teilweise oder gar nicht realisieren können.

Auch Gerichtsverfahren und Zahlungspraktiken erschweren das Inkasso

Neben Insolvenzen nennt Allianz Trade zwei weitere wichtige Ursachen für Inkasso-Komplexität:

Gerichtsverfahren
In vielen Ländern dauern Gerichtsverfahren lange, sind teuer oder durch komplexe Zuständigkeitsstrukturen geprägt. Auch die Durchsetzung ausländischer Urteile kann problematisch sein.

Lokale Zahlungspraktiken
Unterschiedliche Zahlungskulturen, lange Zahlungsziele oder mangelnde Transparenz über die finanzielle Situation von Unternehmen können den Forderungseinzug zusätzlich erschweren.

Selbst technologische Entwicklungen wie E-Rechnungen haben bislang noch nicht zu einer spürbaren Vereinfachung des internationalen Inkassos geführt, da die Systeme in vielen Ländern unterschiedlich aufgebaut sind.

Internationales Inkasso braucht lokale Expertise

Die Ergebnisse der Allianz-Trade-Studie zeigen deutlich: Wer international Geschäfte macht, muss auch beim Forderungsmanagement global denken.

Je nach Land unterscheiden sich rechtliche Rahmenbedingungen, Insolvenzverfahren, Zahlungsmoral und gerichtliche Durchsetzungsmöglichkeiten erheblich. Ohne lokale Expertise kann es daher schwierig sein, offene Forderungen effizient einzutreiben.

Wie GFL Unternehmen beim Inkasso unterstützen kann

Gerade bei internationalen Forderungen ist es wichtig, mit dem passenden Inkassopartner zusammenzuarbeiten. GFL unterstützt Unternehmen dabei, geeignete Inkassodienstleister im In- und Ausland zu finden.

Dank eines breiten Netzwerks identifiziert GFL Inkassounternehmen, die zu den individuellen Anforderungen eines Unternehmens passen. Dabei werden nicht nur große Anbieter berücksichtigt, sondern auch spezialisierte regionale Dienstleister, die vor Ort über besondere Marktkenntnisse verfügen.

GFL analysiert Angebote, vergleicht Preise und Leistungen und hilft Unternehmen so, eine wirtschaftlich sinnvolle Lösung für ihr Forderungsmanagement zu finden.

Über das internationale Netzwerk CREDEA bestehen zudem Kontakte zu Inkassopartnern in zahlreichen Ländern. Dadurch können Unternehmen auch bei grenzüberschreitenden Forderungen auf erfahrene Partner zurückgreifen, die mit den rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen vor Ort vertraut sind und die Durchsetzung offener Forderungen unterstützen.

Haben Sie weitere Fragen zum Thema „Inkasso“? Diese beantworten wir in unserem ausführlichen Q+A.

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