Die Insolvenzzahlen in Deutschland erreichen 2025 ein Niveau, das zuletzt vor mehr als einem Jahrzehnt beobachtet wurde. Und es scheint mehr als eine temporäre Krisenfolge zu sein: Unternehmen sollten sich auf dauerhaft erhöhte Ausfallrisiken einstellen und ihre Absicherungsstrategien entsprechend ausrichten.

Anhaltende Polykrise als neuer Normalzustand

Deutschland im RegenDeutschland befindet sich 2025 weiterhin in einer wirtschaftlich angespannten Lage. Mehrere Belastungsfaktoren wirken parallel und verstärken sich gegenseitig: hohe Zinsen, dauerhaft hohe Energiepreise, geopolitische Unsicherheiten, fragile Lieferketten sowie eine schwache globale Nachfrage, insbesondere aus China.

Das Atradius Whitepaper „Insolvenzentwicklung in Deutschland 2025“ macht deutlich, dass sich diese Polykrisenlage grundlegend von früheren konjunkturellen Abschwüngen unterscheidet. Die Risiken beschränken sich nicht mehr auf einzelne Branchen, sondern betreffen nahezu alle Wirtschaftsbereiche und Unternehmensgrößen. Die Folge: steigende Insolvenzzahlen, zunehmende Verfahrenskomplexität und erhebliche Folgewirkungen entlang der Wertschöpfungsketten.

Insolvenzzahlen auf dem höchsten Stand seit 2014

Die aktuellen Zahlen bestätigen diese Entwicklung eindrucksvoll. In den ersten drei Quartalen 2025 wurden in Deutschland 18.125 Unternehmensinsolvenzen registriert. Das entspricht einem Anstieg von 11,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und markiert den höchsten Wert seit elf Jahren.

Auch kurzfristig ist keine Entspannung erkennbar. Allein im November 2025 stieg die Zahl der angemeldeten Firmeninsolvenzen nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes um 5,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Bereits im Oktober hatte der Zuwachs bei 6,5 Prozent gelegen. Da Insolvenzen statistisch erst nach der ersten gerichtlichen Entscheidung erfasst werden, liegt der tatsächliche Zeitpunkt der Antragstellung häufig mehrere Monate zurück. Das deutet darauf hin, dass die Insolvenzwelle weiter an Dynamik gewinnt.

Für das Gesamtjahr 2025 erwartet Creditreform rund 23.900 Firmenpleiten – ebenfalls so viele wie zuletzt im Jahr 2014. Bereits im ersten Halbjahr 2025 zählte Creditreform 11.900 Unternehmensinsolvenzen, ein Plus von 9,4 Prozent gegenüber 2024. Auch für 2026 rechnen Experten nicht mit einer spürbaren Entspannung. Vielmehr wird davon ausgegangen, dass die Insolvenzzahlen auf hohem Niveau verharren oder weiter steigen.

Mittelstand besonders unter Druck

Besonders betroffen sind kleine und mittelständische Unternehmen. Hohe Verschuldung, erschwerter Zugang zu Krediten sowie strukturelle Belastungen durch Energiepreise, Regulierung und Kostensteigerungen setzen vor allem dem Mittelstand zu.

Eine Konjunkturumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer zeigt, dass 30 Prozent der Unternehmen mit weniger als 20 Beschäftigten eine weitere Verschlechterung ihrer Geschäftslage erwarten. Diese Betriebe stellen rund 85 Prozent aller Unternehmen in Deutschland. Entsprechend hoch ist das systemische Risiko für Lieferketten, regionale Wirtschaftsstrukturen und Beschäftigung.

Schadensvolumina bleiben auf hohem Niveau

Manager mit GeldschweinNeben der Anzahl der Insolvenzen ist auch das Volumen der Forderungsausfälle ein zentraler Indikator. In den ersten drei Quartalen 2025 beliefen sich die Forderungen der Gläubiger auf rund 40,1 Milliarden Euro. Auch wenn dieser Wert leicht unter dem Vorjahresniveau liegt, verdeutlicht er die wirtschaftliche Tragweite der Insolvenzentwicklung.

Das Atradius Whitepaper weist zudem darauf hin, dass insbesondere größere und kapitalintensivere Verfahren zunehmen. Damit steigt das Risiko von Kettenreaktionen, die weit über die unmittelbar betroffenen Unternehmen hinausreichen.

Absicherung wird zur strategischen Führungsaufgabe

Die aktuellen Insolvenzzahlen machen deutlich: Forderungsausfälle sind kein Ausnahmeereignis mehr, sondern ein kalkulierbares Unternehmensrisiko. Klassische Vorsichtsmaßnahmen reichen nicht aus, um finanzielle Stabilität zu sichern. Stattdessen gewinnen integrierte Absicherungsstrategien an Bedeutung, die mehrere Instrumente miteinander kombinieren.

Kreditversicherung als Fundament des Forderungsschutzes

Die Kreditversicherung nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein. Sie schützt Unternehmen vor finanziellen Verlusten durch Zahlungsunfähigkeit oder Zahlungsverzug von Kunden und liefert gleichzeitig fundierte Informationen zur Bonität von Geschäftspartnern.

Gerade in einem Umfeld, in dem Insolvenzen häufig erst Monate nach dem eigentlichen wirtschaftlichen Einbruch sichtbar werden, bietet die Kreditversicherung einen entscheidenden Informationsvorsprung. Sie unterstützt Unternehmen bei der Festlegung von Kreditlimits, Zahlungszielen und bei der aktiven Steuerung von Kundenrisiken.

Factoring zur Sicherung der Liquidität

Factoring gewinnt insbesondere bei kleinen und mittelständischen Unternehmen weiter an Bedeutung. Durch den Verkauf offener Forderungen können Liquiditätsengpässe überbrückt und Zahlungsausfälle ausgelagert werden. In Zeiten schwacher Nachfrage und verzögerter Zahlungseingänge trägt Factoring dazu bei, operative Handlungsfähigkeit und Planungssicherheit zu erhalten.

Bonitätsmonitoring und professionelles Vertragsmanagement

Ein kontinuierliches Bonitätsmonitoring ermöglicht es Unternehmen, Veränderungen in der wirtschaftlichen Situation ihrer Kunden frühzeitig zu erkennen. In Kombination mit einem strukturierten Vertragsmanagement lassen sich Risiken zusätzlich reduzieren.

Klare Regelungen zu Zahlungsbedingungen, Sicherheiten und Eigentumsvorbehalten stärken die rechtliche Position und helfen, Verluste im Insolvenzfall zu begrenzen (mehr zu dem Thema finden Sie hier). Gerade angesichts steigender Insolvenzzahlen wird diese Kombination aus Transparenz, Prävention und rechtlicher Absicherung zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor.

 

Schutz vor Zahlungsausfällen