Die internationale Logistik steht erneut vor einem Wendepunkt. Nachdem jahrelang Umwege gefahren wurden, kehren große Reedereien wieder auf die zentrale Handelsroute zurück: das Rote Meer. Was zunächst nach Stabilisierung klingt, bringt für Transportpreise und Lieferketten überraschend neue Herausforderungen.

Warum die Route durch das Rote Meer so wichtig ist

ContainerschiffRund zwölf Prozent des weltweiten Handels passieren diese Verbindung zwischen Asien, dem Nahen Osten und Europa. Ohne sie müssen Schiffe den Umweg um das Kap der Guten Hoffnung nehmen – etwa 6.000 Kilometer länger.

Die Folgen dieses Umwegs waren in den vergangenen Jahren deutlich spürbar:

Vor allem die Angriffe auf Schiffe nahe der Straße von Bab el‑Mandeb zwischen Rotem Meer und Golf von Aden hatten den Verkehr massiv eingeschränkt.

Reedereien kehren zurück – mit unerwarteten Folgen

Frachtraten
Die Volatilität der Frachtraten

Nachdem die Angriffe der Huthi-Miliz auf Frachtschiffe nachgelassen haben, planen die Großreedereien Maersk und Hapag‑Lloyd nun wieder regelmäßige Durchfahrten. Erste Testfahrten verliefen erfolgreich.

Doch ausgerechnet die Rückkehr zur Normalität könnte die Gewinne drücken.

Während der Umleitungen konnten Reedereien höhere Preise verlangen. Der Grund war simpel: weniger Kapazität bei gleichbleibender Nachfrage. Jetzt passiert das Gegenteil:

Mehr Kapazität → sinkende Frachtraten → geringere Margen

ContainerDenn parallel zur Routenöffnung sinkt die Transportnachfrage. Laut der Lieferkettenberatung Project44 fiel das globale Containervolumen 2025 um 13 Prozent. Besonders stark betroffen: US-Importe aus China (-27 Prozent).

Laut tagesschau erwartet Maersk deshalb nur noch 4,5 bis 7 Milliarden Dollar operativen Gewinn – im schlechtesten Fall weniger als die Hälfte des Vorjahres.

Zur Senkung der Ausgaben und als Reaktion auf die rückläufigen Frachtraten plant die dänische Reederei den Abbau von 1.000 Verwaltungsstellen. Konzernweit entspricht das rund einem Prozent der Belegschaft. Dadurch sollen jährlich etwa 180 Millionen Dollar eingespart werden.