Startup-Finanzierung im Wandel: Von Venture Capital zu Factoring und Leasing
Drei Jahre lang waren die Venture-Capital-Investitionen in europäische Startups rückläufig – doch jetzt scheint sich der Trend in der Startup-Finanzierung wieder umzukehren. Vor allem die Bereiche Rüstung und KI sind gefragt. Doch was tun, wenn sich für das eigene Startup kein Wagniskapital findet? Und wie geht es nach den ersten Finanzierungsrunden weiter?
Nach drei Jahren rückläufiger Venture-Capital-Investitionen zeichnet sich für Europas Start-ups eine Trendwende ab. Laut Daten von Dealroom könnten die VC-Investitionen 2025 um 3 bis 4 Prozent steigen und damit rund 57 Milliarden US-Dollar erreichen – etwa das Niveau von 2023. Damit wäre dieses Jahr das stärkste seit den Boomjahren 2021 und 2022, auch wenn die damaligen Rekordwerte von mehr als 100 Milliarden US-Dollar vorerst unerreicht bleiben.
Auch in Deutschland legen die Startup-Finanzierungen dieses Jahr zu: 4,6 Milliarden Euro Wagniskapital haben die deutsche Start-ups im ersten Halbjahr eingesammelt – das drittbeste Ergebnis seit 2015, wie Zahlen von EY zeigen.
Startup-Finanzierung: Bayern zieht an Berlin vorbei
Spannend: Die Nase vorn hat dabei nicht mehr die Gründer-Metropole Berlin, sondern Bayern. Im ersten Halbjahr 2025 flossen laut der EY-Studie rund 2,1 Milliarden Euro nach Bayern – deutlich mehr als die 1,5 Milliarden Euro, die Berliner Start-ups einsammeln konnten.
Treiber dieser Entwicklung sind die Bereiche Künstliche Intelligenz (KI) und Verteidigungstechnologie – Gebiete, in denen der Freistaat gut aufgestellt ist. Zudem profitiert Bayern von seiner starken industriellen Basis – insbesondere in Automobil-, Maschinenbau- und Medizintechnikbranchen – und bietet Start-ups damit wertvolle Kooperations- und Absatzchancen.
Factoring als Startup-Finanzierung?
Doch was tun, wenn Eigen- und Wagniskapital aufgebraucht sind? Was, wenn sie nicht ausreichen, um die Anfangsverluste zu decken?
„Banken sind für junge Startups meist keine Option“, weiß GFL-Experte Fabian Sarafin. „Da junge Unternehmen in der GuV oft hoch defizitär sind, bilden die Bilanzen keine Basis für eine Bankfinanzierung.“ Nach einer Anlaufzeit von etwa ein bis eineinhalb Jahren könne jedoch Factoring zu einem lohnenden Finanzierungsinstrument für Startups werden. „Wenn ein Unternehmen schon die ersten guten Aufträge mit guten Debitoren hat, dann hilft Factoring oft als erste Fremdfinanzierung. Wir haben schon mehrfach Factoringlösungen für Startups kreiert und dabei fast immer gute Erfahrungen gemacht.“
Auch Leasing könne jungen Unternehmen helfen, die ersten Investitionen liquiditäts- und bilanzschonend zu finanzieren – sei es für die IT-Infrastruktur, die Büroeinrichtung oder teure Maschinen.
GFL-Tipp: Finanzkommunikation zu den Kreditversicherern frühzeitig angehen
„Sobald Startups mit Lieferanten in Kontakt kommen, die eine Kreditversicherung haben, wird ein zielgerichteter Austausch mit den Kreditversicherern relevant“, erklärt Sarafin.
Denn ohne regelmäßiges Reporting bekommen Startups oft ein Problem: Der Kreditversicherer zieht sich Daten aus öffentlich verfügbaren Quellen wie etwa dem Bundesanzeiger. Da sich die wirtschaftliche Situation bei jungen Unternehmen jedoch sehr schnell wandeln kann, sind diese teilweise veraltet und zeigen bspw. noch Verluste an, obwohl das Unternehmen den Break-even bereits erreicht hat. Daher ist es wichtig, den Kreditversicherern proaktiv die aktuellen Unternehmensdaten zukommen zu lassen.
„Startup-Finanzierungen sind normalerweise keine einmalige Sache“, weiß Fabian Sarafin. „Der Bedarf der Unternehmen ändert sich über die Jahre hinweg und muss immer wieder angepasst werden. Die meisten unserer Startup-Kunden begleiten wird daher schon seit vielen Jahren. Einige von ihnen sind mittlerweile fest im Mittelstand verankert – das zu begleiten und mit anzusehen macht immer wieder unglaublich viel Freude.“
