Verlängerte Warenkreditversicherung bei Galeria: Mehr als nur ein Vertrauenssignal
Die Warenhauskette Galeria hat bekanntgegeben, ihre Warenkreditversicherung für Lieferanten und Geschäftspartner bis Ende 2027 verlängert zu haben. Auf den ersten Blick wirkt das wie eine technische Info – doch bei genauerem Hinsehen steckt Wichtiges in dieser Entscheidung.
Die Verlängerung der Kreditversicherung ist laut Galeria ein „starkes Vertrauenssignal“, sowohl an das Unternehmen als auch an die Partnerfirmen. „Sie untermauert unsere finanzielle Stabilität und gibt uns zusätzliche Sicherheit, mutig zu investieren, unsere Häuser als Ankerpunkte in den Innenstädten zu stärken und gemeinsam nachhaltig zu wachsen“, heißt es in der Meldung.
Zweifel an finanzieller Stabilität
Dass ein Konzern eine Pressemitteilung zu einer Policenverlängerung herausgibt, ist ungewöhnlich. Grund sind wohl die anhaltenden Zweifel an der finanziellen Lage der Kaufhauskette, an deren Stabilität es selbst mehr als ein Jahr nach der Insolvenz noch Zweifel gibt.
Doch nicht nur die aktuelle Meldung macht deutlich, welche Bedeutung Warenkreditversicherungen für Unternehmen jeglicher Größe haben, auch die Vergangenheit der Kette zeigt das eindrücklich: So hatte Galeria in der Vergangenheit mehrfach Probleme mit Kreditversicherern. Zum Beispiel als diese in der Vergangenheit die Garantien für Kaufhof-Lieferanten stark reduziert oder sogar auf Null gesetzt haben. Auch kurz vor Ablauf des Insolvenzverfahrens im Sommer 2024 standen Versicherer auf der Kippe – Verträge wurden erst in letzter Minute unterzeichnet.
Solche Situationen erzeugen erhebliche Unsicherheit entlang der Lieferketten – im schlimmsten Fall droht der Warenstrom in der ganzen Lieferkette zu versiegen. Denn für die Lieferanten bedeutet ein Ausfall der Warenkreditversicherung beispielsweise auch, dass ihre Factoringfinanzierung eingestellt wird.
Wie können sich Unternehmen vor plötzlichen Limit-Streichungen schützen?
Der Fall „Galeria“ ist dabei kein Einzelfall. Auch im Mittelstand kommt es vor, dass Limite in Krisenzeiten quasi über Nacht gestrichen werden. „Um dieses Risiko zu minimieren ist eine gute Finanzkommunikation mit den Kreditversicherern unerlässlich“, weiß GFL-Geschäftsführer Marcus Sarafin.
Denn dass Kreditversicherer die Limite der wirtschaftlichen Situation anpassen, ist nicht nur negativ zu bewerten: „Der Kreditversicherer erfüllt damit eine Frühwarnfunktion“, erklärt Sarafin. „Der Kunde merkt, dass das Geschäftsrisiko gestiegen ist und kann darauf reagieren.“
Für Unternehmen, die dieses Risiko nicht eingehen wollen, können sogenannte „unkündbare Limite“ eine Option sein. Wie der Name schon andeutet, können diese von Versichererseite aus über die Dauer der Versicherungspolice – in der Regel zwölf Monate – nicht gekündigt werden.

