Meldet ein Kunde Insolvenz an, kann der zuständige Insolvenzverwalter zuvor geleistete Zahlungen anfechten und zurückfordern – im schlimmsten Fall bis in den Millionenbereich.

Was ist eine Anfechtungsversicherung ?

Sollte Ihr Kunde Insolvenz anmelden, hat der zuständige Insolvenzverwalter die Möglichkeit, die zuvor an Sie geleisteten Zahlungen anzufechten und zurückzufordern, um diese in die Insolvenzmasse einfließen zu lassen. Dies ist allerdings nur möglich, wenn der Insolvenzverwalter nachweisen kann, dass Sie schon vor der Insolvenz des Kunden von dessen Zahlungskomplikationen Kenntnis hatten. Eine Anfechtungsversicherung schützt Sie vor diesen Rückforderungen, die je nach Kunde Millionenforderungen sein können.

Im Rahmen einer Anfechtung kann der Insolvenzverwalter alle getätigten Umsätze, die zwischen dem Anfechtungsgrund und der letzten gestellten Rechnung liegen, zurückfordern. Je nach Kunde können sich die angefochtenen Beträge im Millionenbereich bewegen.

Welche Vorteile und Gründe sprechen für eine Anfechtungsversicherung?

Die Anfechtungsversicherung bietet zusätzlichen Schutz vor den Folgen einer möglichen Insolvenzanfechtung, sichert die Unternehmensliquidität ab und sorgt für Stabilität und Flexibilität.

Drei Fakten zur Insolvenzanfechtung zeigen, warum der Abschluss sinnvoll sein kann:

  • Lange Rückverfolgungen: Rechtlich können Zahlungen angefochten werden, die bis zu 4 Jahre vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens getätigt wurden und bis zu 3 Jahren im laufenden Insolvenzverfahren.
  • Annahme einer bereits bekannten Zahlungsunfähigkeit: Der Insolvenzverwalter versucht geeignete Indizien zu finden, die Ihre Kenntnis der drohenden Zahlungsunfähigkeit des Kunden darlegen.
  • Beweislast: Im Falle einer Anfechtung müssen Sie entlastende Fakten vorlegen, damit die Anfechtung abgewiesen werden kann – dies ist nur in den seltensten Fällen möglich.

Welche Kosten entstehen für mein Unternehmen?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Die Kosten einer Anfechtungsversicherung werden berechnet auf Basis der Geschäftsumsätze, der Anzahl säumiger Zahler, der vereinbarten Haftungskriterien und der Versicherungssummen. Hieraus wird die individuelle Risikoprämie berechnet. Sollten Sie besonders risikoreiche Einnahmen haben, können Sie auch eine Stand-alone-Insolvenzanfechtungsversicherung in Betracht ziehen. Je höher der Selbstbehalt liegt, desto geringer ist die Prämienhöhe.

Wie funktioniert die Anfechtungsversicherung?

  • Bei Insolvenzanfechtung: Zunächst erfolgt die Beauftragung eines versierten Fachanwalts für Insolvenzrecht zur Abwehr der Ansprüche.
  • Wenn die Abwehr nicht gelingt: Das Leistungsversprechen der Entschädigungsleistung greift.

Der Versicherungsschutz umfasst die Kosten zur Abwehr der Rückforderungsansprüche (insbesondere Anwaltskosten) sowie Entschädigungsleistungen angefochtener Forderungen.

Wann wird ein Gläubiger benachteiligt – und wie erkenne ich eine drohende Zahlungsunfähigkeit?

Dem Gesetz nach werden andere Gläubiger benachteiligt, sobald sie von der drohenden Zahlungsunfähigkeit Ihres Kunden Kenntnis erlangen und dennoch Gelder annehmen.

Der Rechtsprechung nach ist eine drohende Zahlungsunfähigkeit vorhanden, wenn Zahlungen eines Kunden „schleppend verlaufen“. Dies gilt auch, wenn längere Zahlungsziele eingeräumt werden, Schecks oder Lastschriften platzen, (nachträglich) Ratenzahlungen vereinbart werden oder Vollstreckungshandlungen scheitern.

Wie lange sind Rechtsgeschäfte anfechtbar ?

Laut § 133 der Insolvenzordnung sind Rechtsgeschäfte bis zu 4 Jahre rückwirkend anfechtbar. Auch Kunden, mit denen Sie nicht mehr in geschäftlichem Kontakt stehen, können innerhalb der gesetzlichen Fristen Anfechtungsgründe anführen.

Solitäre Anfechtungsversicherung oder Zusatzbaustein der Kreditversicherung?

Die Insolvenzanfechtung ist als Einzelversicherung möglich, kann aber auch als Ergänzung zu einer regulären Warenkreditversicherung gewählt werden. Die Varianten im Überblick:

  • Solitäre Lösung: Versicherung aller rechtlich begründeten Forderungen, die zum Zeitpunkt des Abschlusses der Police noch keine Insolvenz angemeldet haben
  • Ausnahmen: Forderungen aus Vermietung & Verpachtung, Forderungen von öffentlich-rechtlichen Kunden und Privatpersonen
  • Als Zusatzbaustein der Kreditversicherung: Versicherungsschutz, wenn die vom Insolvenzverwalter angefochtene Forderung ursprünglich auch in dem primären Kreditversicherungsvertrag versichert war

Fazit: Anfechtungsversicherung schützt vor Millionenforderungen

Die Anfechtungsversicherung schützt Unternehmen vor Rückforderungen des Insolvenzverwalters, die je nach Kunde Millionenforderungen sein können. Sie sichert die Unternehmensliquidität ab und bietet Stabilität und Flexibilität – als solitäre Lösung oder als Zusatzbaustein der Warenkreditversicherung.