Wirtschaftskriminalität: Der Feind im eigenen Haus – und wie Unternehmen sich schützen können
Betrugsfälle in Unternehmen sind kein seltenes Phänomen. Die Vertrauensschadenversicherung (VSV) schützt Unternehmen vor finanziellen Verlusten im eigenen Unternehmen, die durch betrügerische Handlungen von Mitarbeitenden oder Dritten entstehen. Doch warum ist sie so wichtig?
Wirtschaftskriminalität, oft als White-Collar-Crime bezeichnet, bleibt eine unterschätzte, aber kostspielige Bedrohung für Unternehmen weltweit. Die aktuelle KPMG-Studie „Global Profile of the Fraudster“ (2025) enthüllt ein alarmierendes Muster: Die meisten Täter:innen sind keine externen Hacker oder anonyme Betrüger – sie sind langjährige, hochangesehene Mitarbeiter:innen, die das Vertrauen ihrer Arbeitgeber ausnutzen. 55 % der Fälle geschahen in kollusiver Zusammenarbeit, oft in Gruppen von 2 bis 5 Personen. Besonders betroffen sind Abteilungen wie Finanzen, Einkauf und die Geschäftsführung – dort, wo Autorität und Zugang zu Ressourcen am größten sind.
Doch wie gelingt es diesen Täter:innen, unentdeckt zu bleiben? Die Studie zeigt: Schwache interne Kontrollen sind der Hauptgrund für Betrugsfälle. Gleichzeitig sind Hinweise von Whistleblower:innen die effektivste Methode zur Aufdeckung. Die häufigsten Delikte? Veruntreuung von Vermögenswerten (52 % der Fälle), gefälschte Dokumente (29 %) und Betrug im Beschaffungswesen – oft durch Absprachen mit externen Dienstleistern.
Aktuelle Betrugsfälle: Wenn Vertrauen missbraucht wird
Die Schlagzeilen der letzten Monate sind alarmierend: Immer häufiger berichten Medien über spektakuläre Fälle von Mitarbeiterkriminalität in deutschen Unternehmen. So nutzte ein Supermarkt-Mitarbeiter zurückgegebenes Leergut, um es erneut in Pfandautomaten einzuführen und die generierten Bons an der Selbstbedienungskasse einzulösen – ein Schaden von 3.500 Euro. Der Betrug wurde erst entdeckt, als ein Ladendetektiv Verdacht schöpfte.
Ein weiterer Fall: EineKassiererin bei IKEA manipulierte Kassenabschlüsse, um Geld zu veruntreuen. Der genaue Schaden ist nicht öffentlich bekannt, doch der Fall zeigt, dass auch in großen, etablierten Unternehmen mit scheinbar stabilen Abläufen Insider aufgrund unzureichender Kontrollen betrügen können. Solche Fälle bleiben oft über Monate oder Jahre unentdeckt.
Neben der Betrugsgefahr durch sogenannte Innentäter sehen sich Unternehmen aber auch weiterhin externen Gefahren ausgesetzt. Diese Gefahren können durch betrügerische Bestellungen, gefakte E-Mails mit einer falschen IBAN oder Phishing-Versuchen entstehen. Diese Gefahren steigen durch den fortschreitenden Einsatz von KI.
Warum die Warenkreditversicherung nicht ausreicht
Im Falle eines Betrugs sind Unternehmen nicht über eine bestehende Warenkreditversicherung versichert. Die Warenkreditversicherung schützt vor Forderungsausfällen bei Zahlungsunfähigkeit und Insolvenz des Kunden, also bei dem Ausfall bestehender Forderungen. Sie greift dann nicht ein, wenn ein Mitarbeiter das Unternehmen betrügt. Weiterhin nicht geschützt sind unberechtigte Forderungen, beispielsweise wenn sich der veremeintliche Kunde als Betrüger herausstellt und die Ware dann unterschlägt . Hier wird die Vertrauensschadenversicherung relevant: Sie übernimmt die Abdeckung von Vermögensschäden durch vorsätzliche Handlungen wie Betrug, Untreue oder Diebstahl. Je nach Vertrag umfasst sie nicht nur Schäden durch eigene Mitarbeitende, sondern auch Betrugshandlungen externer Dritter – etwa beim Fake-President- oder Bestellerbetrug.
Angesichts immer raffinierterer Betrugsstrategien wird sie zu einem unverzichtbaren Element des Risikomanagements. Für viele Unternehmen geht es dabei weniger um die Frage, ob ein solches Risiko besteht, sondern darum, wie gut sie darauf vorbereitet sind.
