Stahlbranche weltweit unter Druck: Höchste Anzahl an Herabstufungen
Die globale Metallindustrie steht zunehmend unter Druck und verzeichnet im aktuellen Risikoüberblick der Coface die meisten Sektor-Herabstufungen. Mit acht Downgrades entfällt ein Drittel aller Abwertungen auf den Metallsektor, was auf tiefgreifende strukturelle und makroökonomische Probleme hinweist.

Stahlüberkapazitäten im Zentrum der Krise
Im Mittelpunkt der Krise steht die anhaltende Überproduktion von Stahl, vor allem in China. Seit 2018 haben Stahlproduzenten weltweit – insbesondere in hochentwickelten Volkswirtschaften – mit den Folgen eines Überangebots zu kämpfen. Laut OECD erreichte die weltweite Überkapazität im Jahr 2024 rund 600 Millionen Tonnen, was fast ein Viertel der globalen Stahlproduktion ausmacht. Diese massive Überkapazität schmälert Wettbewerbsfähigkeit und Profitabilität, besonders in ohnehin wirtschaftlich angeschlagenen Regionen.
Ein Grund, der zu dem Überangebot führt, ist die nachlassende Bauaktivität in China. Der Trend, der in den Jahren 2022 und 2023 bereits zu beobachten war, hat sich auch 2024 fortgesetzt. Dieser Rückgang auf dem chinesischen Immobilienmarkt hat die globalen Preise für Stahl und Eisenerz stark belastet.
Denn um ihr Überangebot abzubauen, haben chinesische Stahlhersteller den internationalen Markt ins Visier genommen, was im ersten Halbjahr 2024 zu den höchsten Exportwerten seit acht Jahren führte, wie Credendo berichtet.
Europas Stahlindustrie im langsamen Niedergang
Die Dumpingpreise aus China und Indien machen dem europäischen Markt stark zu schaffen: Eine Tonne kostet dort etwa 400 Euro – in Europa sind es rund 640 bis 650 Euro. Die EU versucht dagegen anzugehen, indem sie Importe aus Ländern mit niedrigeren Umweltstandards verteuert und so die europäische Industrie schützt. Sie sieht den sogenannten „grünen Stahl“ als Lösung für die Branche. Zudem setzt Brüssel auf Strafzölle, wenn Stahl aufgrund staatlicher Subventionen unter dem Marktpreis produziert wird.
Doch nicht nur die asiatische Konkurrenz macht dem Sektor zu schaffen. Seit 2022 wird er zusätzlich durch Energieunsicherheiten, rückläufige Metallnachfrage und erschwerte Finanzierungsbedingungen belastet. In diesem Umfeld bleiben Investitionen aus, Konsolidierungen nehmen zu, und viele Unternehmen stehen vor existenziellen Herausforderungen.
Zudem ist immer noch offen, wie sich der Zollstreit zwischen der EU und den USA entwickeln wird. Noch immer belegen sich Europa und Amerika gegenseitig mit Strafzöllen von bis zu 25 Prozent.
Nordamerika unter Druck durch Strafzölle
Auch in Kanada und Mexiko leidet die Metallbranche erheblich unter den Strafzöllen auf Stahl und Aluminium, die von der Trump-Regierung seit dem 5. Juni in Höhe von 50 % verhängt wurden. Diese Maßnahmen belasten nicht nur die nordamerikanischen Märkte, sondern verstärken auch den Druck auf die bereits geschwächte europäische Stahlindustrie. Solche Handelsbarrieren verzerren den Markt zusätzlich und verschärfen bestehende Strukturprobleme.
Globale Handelsspannungen und ein verstärkter Protektionismus können das Risiko für Auslandsgeschäfte erhöhen und die Finanzierungsmöglichkeiten einschränken. Gerne beraten wir Sie länder- und branchenspezifisch, welche Möglichkeiten Ihnen offenstehen.
