Die Blockade der Straße von Hormus: VAE reagieren mit neuen Häfen – EU und Deutschland spüren die Folgen
Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) planen den Bau eines neuen Hafens und Containerterminals an ihrer Ostküste, um die Abhängigkeit von der Straße von Hormus zu verringern. Hintergrund ist die seit Februar 2026 andauernde Sperrung der Meerenge durch den Iran, die den Schiffsverkehr in der Region massiv beeinträchtigt. Der Hafenbetreiber DP World mit Sitz in Dubai führt Gespräche über den Bau eines Mehrzweckhafens in Fudschaira sowie über ein zusätzliches Terminal im bestehenden Hafen des Emirats. Ein hochrangiger Unternehmensvertreter gab an, dass der neue Hafen bereits in eineinhalb Jahren fertiggestellt sein könnte. Die Investitionen belaufen sich zunächst auf mehrere Hundert Millionen US-Dollar; weitere Mittel könnten je nach Bedarf folgen. Der Standort am Golf von Oman ermöglicht es, Container ohne Passage der Straße von Hormus zu löschen und anschließend per Lkw nach Dubai, Abu Dhabi und in benachbarte Golfstaaten zu transportieren. Dies soll die globalen Logistikketten sichern, die durch die aktuelle Krise stark gestört sind.
Globale wirtschaftliche Auswirkungen: Rohstoffe und Vorprodukte betroffen
Die Blockade betrifft nicht nur Öl- und Gastransporte, sondern auch kritische Rohstoffe und Vorprodukte, die für die europäische und deutsche Industrie essenziell sind:
- Aluminium: Die GCC-Länder (u. a. VAE, Saudi-Arabien) produzieren 9 % des globalen Primäraluminiums – vergleichbar mit der gesamten europäischen Produktion. Die Blockade hat die Produktion im April 2026 um 35 % im Vergleich zum Vorjahr reduziert, was zu Preissteigerungen von 50 % führte (Weltbank, 2026).
- Düngemittel: Rund 40 % der globalen Exporte von Harnstoff und 30 % von Diammoniumphosphat (DAP) stammen aus der Golfregion. Verzögerte Lieferungen gefährden die globale Ernährungssicherheit, insbesondere in Asien und Afrika (FAO, 2026).
- Schwefel: Die Region deckt 25 % der weltweiten Produktion und 50 % der Exporte ab. Schwefel ist entscheidend für die Herstellung von Phosphatdünger und Metallen wie Nickel (für Autobatterien).
- Helium: Katar liefert 40 % des globalen Heliums, das vor allem für die Halbleiterproduktion in Europa und Asien benötigt wird.
- Chemische Vorprodukte: 45 % des globalen Handels mit Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP) stammen aus der Golfregion. Deutschland und Europa sind zu 30 % von Importen aus dieser Region abhängig (DERA, 2026).
Die Preise für diese Rohstoffe sind stark gestiegen:

- Aluminium: +50 %
- Harnstoff: +97 %
- DAP: +15 %
- Erdöl (Brent): +67 %
- Erdgas in Europa: +39 % (Weltbank, 2026).
Auswirkungen auf Deutschland und die EU
Deutschland ist zwar nicht direkt von der Sperrung abhängig, doch die indirekten Folgen sind gravierend:
- Energiepreise: Die Blockade hat die globalen Energiepreise stark ansteigen lassen, was die Wiederbefüllung der Gasspeicher erschwert und die Versorgungssicherheit gefährdet.
- Industrielle Engpässe: Im Mai 2026 meldeten 15,9 % der deutschen Unternehmen (vs. 13,8 % im April) Engpässe bei Vorprodukten – besonders betroffen sind die chemische Industrie, Gummi-/Kunststoffhersteller und die Elektroindustrie (ifo, 2026).
- Langfristige Risiken: Die KfW warnt, dass anhaltende Lieferunterbrechungen zu Knappheiten bei Lebensmitteln und Metallen führen könnten, was die globale Produktion dauerhaft belastet.
Europäische Reaktionen: Diversifizierung und Notfallpläne
Die EU reagiert mit einer doppelten Strategie:
- Diversifizierung der Versorgungsrouten:
- Reaktivierung alter Pipelines: z. B. die transarabische Pipeline (Saudi-Arabien → Libanon) oder der Ausbau der Ost-West-Pipeline (Saudi-Arabien → Rotes Meer).
- Alternative Seewege: Die EU fördert den Ausbau von Häfen an der Ostküste der VAE (z. B. Fudschaira), um die Abhängigkeit von der Straße von Hormus zu umgehen.
- EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen betont: „Wir müssen unsere Versorgungsrouten diversifizieren und alternative Exportkorridore entwickeln, um uns vom Engpass Hormus zu lösen.“
- Investitionen in erneuerbare Energien:
- Langfristig soll die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen aus der Golfregion reduziert werden, um solche Krisen künftig zu vermeiden.
- Notfallmaßnahmen für die Industrie:
- Die EU prüft Subventionen für betroffene Branchen (z. B. Chemie, Halbleiter), um Produktionsausfälle abzufedern.
- Strategische Reserven für kritische Rohstoffe wie Helium und Schwefel werden diskutiert.
Fazit: Die Krise als Weckruf für Europa
Die Sperrung der Straße von Hormus zeigt, wie anfällig globale Lieferketten für geopolitische Krisen sind. Während die VAE mit neuen Hafenprojekten reagieren, spüren Deutschland und die EU die Folgen durch steigende Energiepreise, Rohstoffknappheiten und industrielle Engpässe. Die Krise unterstreicht die Notwendigkeit, die Versorgungsrouten zu diversifizieren, strategische Reserven aufzubauen und die Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen langfristig zu reduzieren.