Chinas Konjunkturflaute: Ein systemisches Problem?
Chinas Wirtschaft kränkelt. Wer nach dem Ende der Zero-Covid-Strategie einen schnellen Aufschwung erwartet hatte, sieht sich nun eines Besseren belehrt: Im Juli verzeichnete das Land eine Deflation, die Konsumnachfrage ist schwach, der Immobiliensektor noch immer problematisch. Leidet die chinesische Wirtschaft unter Long Covid?
Diesen Vergleich zieht zumindest das US-Journal „Foreign Affairs“. Wie bei Long Covid seien die Symptome langanhaltend und der Infizierte wohl langfristig krank. Denn auch drei Jahre nach den strengen Null-Covid-Lockdowns hat die Wirtschaft ihre Vitalität noch nicht wiedererlangt.
Während sich im ersten Quartal noch eine Erholung abzeichnete, wuchs die Wirtschaft im Vergleich dazu von April bis Juni nur um 0,8 Prozent. Eine neue Gefahr geht zudem von den sinkenden Verbraucherpreisen zurück: Im Mai waren diese noch leicht um 0,2 Prozent gestiegen, im Juni stagniert und im nun im Juli sogar um 0,3 Prozent gefallen.
Wovon manch ein Verbraucher hierzulande träumt, birgt aber ein Risiko: Die Erwartung noch weiter fallender Preise kann die Konjunktur abwürgen. Zudem drückt eine Deflation häufig auf die Gewinne der Unternehmen, die dann mit Entlassungen oder Lohnkürzungen reagieren.
Zahlreiche Krisenherde
Dass Chinas Wirtschaft in der Krise steckt, zeigen auch andere Zahlen: zum Beispiel die Jugendarbeitslosigkeit, die mit 21,3 Prozent einen neuen Rekordwert erreicht hat. Oder der Außenhandel, der im Juli stark eingebrochen ist. So sanken die Exporte, nach bereits starken Rückgängen in den Vormonaten, im Juli im Jahresvergleich um 14,5 Prozent.- Es ist der tiefste Exporteinbruch seit Februar 2020.
Auch die hochverschuldete chinesische Bauindustrie kommt nicht aus der Krise. Und den Lokalregierungen geht das Geld aus.
Die Wachstumsprognosen bleiben dennoch relativ optimistisch. So erwartet etwa der Internationale Währungsfonds für 2024 ein Wachstum von 4,5 Prozent. Die chinesische Regierung will einiges tun, um diese Raten auch zu erreichen. So hat Peking mehrere Konjunkturpakete angekündigt. Um den Konsum anzukurbeln, sollen unter anderem die Wohnungsmieten gesenkt oder der Kauf von Elektroautos mehr gefördert werden.
Staatliche Unterstützung als Hemmschuh
Es gibt jedoch Experten, die genau diese staatliche Einmischung als Wurzel des Übels sehen. So zitiert der Business Insider Adam Posen, den Vorsitzenden des Peterson Institute for International Economics. Seiner Einschätzung nach würde die wirtschaftliche Entwicklung in autoritären Regimen einem Muster folgen: Zunächst gebe es eine Wachstumsphase, in der „das Regime politisch willfährige Unternehmen gedeihen“ lasse.
Die Regierung beginne dann jedoch, auf immer willkürlichere Weise in die Wirtschaft einzugreifen. Aus Unsicherheit würden Haushalte und kleine Unternehmen dann lieber ihr Geld sparen, anstatt illiquide Investitionen vorzunehmen. Das Wachstum ginge daraufhin dauerhaft zurück. Gerade die strenge Corona-Politik habe den Chinesen gezeigt, wie stark sie auf die „Gnade der Partei“ angewiesen sei.