Trotz der fortdauernden Belastungen durch den Konflikt im Nahen Osten und die gestiegenen Energiepreise erweist sich die deutsche Wirtschaft im Jahr 2026 als erstaunlich robust. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) erhöhte sich im zweiten Quartal 2026 um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, nachdem Preise, Saison und Kalender berücksichtigt worden waren. Dies berichtet das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie in zwei akutellen Pressemeldungen. Im ersten Quartal wurde der Zuwachs sogar von 0,3 auf 0,4 Prozent revidiert, wodurch das BIP im ersten Halbjahr 2026 knapp ein Prozent über dem Vorjahresniveau lag.

Außenhandel als Wachstumstreiber

Der Außenhandel, vor allem die Ausfuhren, war ein wesentlicher Wachstumsmotor. Die energieintensiven Industrien in Deutschland profitierten von einer vorteilhaften Wettbewerbssituation im Vergleich zu asiatischen Konkurrenten, die stärker auf Energielieferungen aus demNahen Osten angewiesen sind und daher unter Preiserhöhungen und Versorgungsengpässen leiden. Dies bewirkte eine gesteigerte Nachfrage nach deutschen Produkten sowie einen erheblichen Zuwachs der Produktion und der Auslandsumsätze in diesen Sektoren. Die Nachfrage im Inland blieb hingegen gering: Die Ausgaben für privaten und öffentlichen Konsum blieben unverändert, während die Investitionen zurückgingen. Trotz der angespannten geopolitischen Situation hat sich die Versorgungslage in der deutschen Wirtschaft leicht verbessert. Im Juli 2026 berichteten nur noch 13,7 Prozent der Unternehmen von Materialengpässen, was einen Rückgang von 17,2 Prozent im Juni darstelltVor allem in der chemischen Industrie reduzierte sich der Anteil der Unternehmen mit Lieferproblemen von 29,5 auf 13,8 Prozent. Es bestehen jedoch weiterhin Risiken, vor allem aufgrund der gegenwärtigen Niedrigwasserstände auf wesentlichen Binnenschifffahrtswegen. Diese könnten temporäre Materialengpässe in der Mineralöl-, Chemie-, Bau- und Stahlindustrie verursachen. Dadurch könnten die Transportkosten steigen und die Produktion in betroffenen Sektoren kurzfristig gebremst werden.

Weltwirtschaft: Robust trotz hoher Energiepreise

Trotz der weiterhin hohen Energiepreise bleibt die globale Wirtschaftslage stabil. Nach zwei Rückgängen stabilisierte sich die globale Industrieproduktion im Mai 2026 und blieb im Vergleich zum Vormonat nahezu unverändert (+0,1 Prozent). In den Industrieländern sank die Produktion leicht um 0,1 %, während die Schwellenländer ein moderates Wachstum von 0,3 % verzeichneten. Im Vergleich zum Vorjahr war die weltweite Industrieproduktion um 1,0 Prozent gestiegen.

Die Frühindikatoren für die Weltwirtschaftsentwicklung zeigen eine positive Tendenz: Der Einkaufsmanagerindex von S&P Global für die Weltwirtschaft kletterte im Juli auf 52,6 Punkte, was auf ein weiterhin robustes Wachstum hinweist. Vor allem im Dienstleistungssektor zeigte sich eine deutliche Aufwärtsentwicklung, während die Industrie unverändert blieb. Nach viermonatiger Verbesserung erreichte der sentix-Konjunkturindex für die Weltwirtschaft im August den höchsten Stand seit Februar 2026. Nachdem der Welthandel im Vormonat bereits um 0,3 Prozent gewachsen war, expandierte er von April auf Mai saisonbereinigt um 1,0 Prozent. Trotz der Beeinträchtigung des Handels in der Golfregion durch den Konflikt im Nahen Osten blieben die globalen Auswirkungen begrenzt. Die weltweite Entwicklung wurde durch einen beschleunigten Aufbau von Lagerräumen und die hohe Nachfrage nach KI-bezogener Elektronik gestützt.

Produktion und Auftragseingänge: Leichte Erholung zur Jahresmitte

Im Juni 2026 verzeichnete die Produktion im deutschen Produzierenden Gewerbe zum dritten Mal in Folge einen leichten Anstieg (+0,2 Prozent im Vergleich zum Vormonat). Im Laufe des zweiten Quartals stieg die Produktion um 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, lag jedoch noch leicht unter dem Niveau des Vorjahresquartals (-0,3 Prozent). Insbesondere die energieintensiven Industrien erlebten einen starken Anstieg um 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, was auf eine relative Verbesserung der Wettbewerbsposition gegenüber asiatischen Konkurrenten hinweist. Auch die gestiegenen Auslandsumsätze dieser Branchen verdeutlichen die Umleitung der Nachfrage auf europäische und deutsche Lieferanten.

Im Juni stiegen die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe um 3,1 Prozent im Vergleich zum Vormonat, nachdem Preise, Saison und Kalender berücksichtigt worden waren. Entscheidend war der signifikante Anstieg der Inlandsaufträge um 7,8 Prozent, während die Auslandsnachfrage etwa auf dem Niveau des Vormonats verharrte (+0,2 Prozent). Insbesondere im Maschinenbau gab es einen starken Anstieg der Aufträge um 12,7 Prozent, unterstützt durch Großaufträge aus dem Inland.

Einzelhandel und Konsum: Gedämpfte Stimmung

Im Einzelhandel (saisonbereinigt, ohne Kfz) sanken die preisbereinigten Umsätze im Juni um 0,7 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Die Einnahmen aus dem Handel mit sowohl Lebensmitteln als auch Non-Food-Artikeln gingen zurück. Die Einzelhandelsumsätze blieben im Vergleich zum Vorjahresmonat unverändert. Der Online- und Versandhandel hielt seinen Wachstumstrend aufrecht und beendete das erste Halbjahr 2026 mit einem Anstieg von 3,3 Prozent. Die Verbraucher zeigen weiterhin eine gedämpfte Stimmung. Im August sank das Konsumklima der GfK um 0,3 Punkte auf -29,6 Punkte und blieb damit im negativen Bereich. Rückläufige Einkommensprognosen und ein Anstieg der Sparneigung hatten dämpfende Effekte. Obwohl das HDE-Konsumbarometer leicht gestiegen ist, bleibt es weiterhin auf einem sehr niedrigen Niveau.

Inflation und Arbeitsmarkt: Herausforderungen bleiben

Im Juli 2026 erhöhten sich die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vorjahr um 2,8 Prozent, nachdem sie im Juni um 2,3 Prozent gestiegen waren. Die gestiegenen Energiepreise sind vor allem für den Anstieg verantwortlich, nachdem die Energiesteuersenkung auf Kraftstoffe Ende Juni ausgelaufen war und die Preise um 8,3 Prozent anstiegen. Auch der zwischenzeitliche Anstieg des Ölpreises auf über 100 Dollar pro Barrel aufgrund der erneuten Eskalation des Konflikts in der Straße von Hormus belastete die Energiepreise.

Die schwache Entwicklung hält am Arbeitsmarkt an. Im Juni verringerte sich die saisonbereinigte Erwerbstätigkeit um 23.000 Personen, nachdem sie im Vormonat bereits um 27.000 Personen gesunken war. Im Juli nahm die Anzahl der Arbeitslosen um 6.000 zu, während die Unterbeschäftigung unverändert blieb. Die Frühindikatoren lassen darauf schließen, dass sich die Situation am Arbeitsmarkt in den nächsten Monaten kaum verbessern wird, vor allem wegen der anhaltenden geopolitischen Unsicherheiten und des demografischen Wandels.

Unternehmensinsolvenzen: Hohe Zahlen bleiben besorgniserregend

Die Anzahl der Unternehmensinsolvenzen bleibt hoch. Im Zeitraum von August 2025 bis Juli 2026 wurden 18.478 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften verzeichnet, was einem Anstieg von 8,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) nimmt an, dass die Zahl der Insolvenzen auch in den kommenden Monaten hoch sein wird.