Kritik der BaFin: Teure Sanierungen von Genossenschaftsbanken
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat Bedenken hinsichtlich der hohen Kosten geäußert, die bei der Sanierung einiger Genossenschaftsbanken in Deutschland entstanden sind. Grund dafür seien Fehler im Risikomanagement und in der Governance der Banken.
Die deutschen Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben 2024 zufriedenstellende Jahresergebnisse erzielt. Wie der Jahresbericht der BaFin betont, kam den Geldhäusern das Zinsumfeld zugute. Zudem sei die Zahl der Kreditausfälle bei Unternehmens- und Privatkunden trotz der stagnierenden Wirtschaft nur moderat gestiegen.
Aufsichtsorgane waren den Anforderungen nicht gewachsen
Allerdings sei es bei den Genossenschaftsbanken auch zu einzelnen, außergewöhnlich teuren Sanierungsfällen gekommen. Wie das Fachmagazin Institutional Money berichtet, ist BaFin-Präsident Mark Branson bei der Jahrespressekonferenz seiner Behörde weiter auf das Thema eingegangen. Einzelne Genossenschaftsbanken hätten sich verzettelt oder sich weit weg von ihren eigentlichen Kerngeschäften bewegt – und das, weil ihre Führung und ihre Aufsichtsorgane ihren Anforderungen nicht gewachsen waren.
So hat es im vergangenen Jahr drei Krisenfälle gegeben: Die VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden war in Schieflage geraten, weil größere Wertberichtigungen auf Kredite, Immobilien und Beteiligungen vorgenommen werden mussten. Der Wertberichtigungsbedarf umfasste eine Summe von 280 Millionen Euro.
Die Volksbank Dortmund-Nordwest hat sich hingegen mit Immobilieninvestments verspekuliert. Und die Volksbank Düsseldorf Neuss war im Herbst in einen Betrugsskandal um den französischen Kiabi-Konzern verwickelt und sah sich einer Forderung von 100 Millionen Euro ausgesetzt. Bei letzterer sei das allerdings nicht das einzige Problem: Laut BaFin sei hier auch ein hoher Wertberichtigungsbedarf im Kreditgeschäft zu erkennen. Hinzu kämen Aufwendungen im Sanierungszusammenhang.
Schutzschirm wird immer häufiger gebraucht
In allen drei Fällen musste die Sicherungseinrichtung der genossenschaftlichen Banken einspringen. Mit diesem Schutzschirm wollen sich die angeschlossenen Banken in Krisensituationen gegenseitig stützen.
GFL-Geschäftsführer Marcus Sarafin findet die Häufung der Fälle, bei denen der Schutzschirm greifen muss, bedenklich: „Hier zeigt sich aus meiner Sicht, dass viele dieser Institute gravierende interne Probleme haben: Management zu schwach, da nicht auf Krise vorbereitet, zu wenig Kontrollstrukturen, zu klein (wie kann eine Volksbank Düsseldorf Neuss bei 100 Mio. Rückstellung in eine solche Schieflage kommen?). Zudem sind viele Genossenschaftsbanken schon seit Jahrzenten zu fokussiert auf Provisionserträge aus dem Verbund, anstatt Geld mit dem Kerngeschäft zu verdienen.“
Sarafin fordert daher ein Umdenken: „Es ist Zeit, dass sich diese Struktur auf die heutigen Realitäten einstellt: andere Anforderungen der Kunden, andere Risikosituationen (z.B. Cyber Crime), Erhöhung der Kapitalstruktur, Fokussierung auf das Kerngeschäft.“
Immer weniger Genossenschaftsbanken
Laut Jahresbericht der BaFin liegt der Grund für solche Krisen an Fehlern im Risikomanagement und in der Governance der Banken. Eine Herausforderung stelle aber auch der zunehmende Fachkräftemangel dar, insbesondere in der IT und generell bei kleinen Instituten.
Die Geldhäuser gehen damit um, indem sie fusionieren oder Bereiche auslagern. Die Zahl der Sparkassen und Genossenschaftsbanken ist daher weiter rückläufig: Während es 2014 in Deutschland noch 1.048 Genossenschaftsbanken gab, waren es zehn Jahre später gerade einmal 670.
Laut GFL-Erfahrungen gehen die Sparanstrengungen oft zu Lasten der mittelständischen Kunden. Welche Möglichkeiten es für Ihr Unternehmen noch gibt, wenn Sie sich bei Ihrer Hausbank nicht mehr gut aufgehoben fühlen oder Ihr Finanzbedarf gestiegen ist, erfahren Sie hier: Liquide starten – liquide wachsen.
