Die Verlagerung von Unternehmensfunktionen ins Ausland ist ein zentrales Thema für den Wirtschaftsstandort Deutschland und wirft Fragen nach der Zukunftsfähigkeit des Standorts auf. Während einige Unternehmen durch die Globalisierung neue Märkte erschließen, sehen sich andere durch hohe Kosten und bürokratische Hürden gezwungen, Standorte zu verlagern oder sogar komplett zu schließen. Diese Entwicklungen haben nicht nur Auswirkungen auf die betroffenen Unternehmen, sondern auch auf den Arbeitsmarkt und die wirtschaftliche Stabilität Deutschlands.

Verlagerungen im Überblick (2021–2023)

Zwischen 2021 und 2023 haben 1.300 Unternehmen mit mindestens 50 Beschäftigten Teile ihrer Unternehmensfunktionen oder den gesamten Betrieb ins Ausland verlagert, was einer Verlagerungsquote von 2,2 % entspricht. Laut dem Magazin WirtschaftsWoche sowie einer Auswertung des Statistischen Bundesamts zogen in diesem Zeitraum rund 1.300 Firmen teilweise oder vollständig ins Ausland.

EU-Flaggen

Zielregionen der Verlagerung sowie die Motive

Die meisten dieser Unternehmen (900) wählten Zielorte innerhalb der Europäischen Union, während 700 Unternehmen in Staaten außerhalb der EU verlagerten. Besonders häufig wurde Indien als Ziel genannt, wohin 271 Unternehmen ihre Aktivitäten verlagerten, gefolgt von den USA und Kanada (128 Unternehmen), China (126 Unternehmen) sowie restlichen asiatischen Staaten und Ozeanien (115 Unternehmen).

Bei den verlagerten Funktionen handelte es sich in 1.015 Fällen um unterstützende Unternehmensfunktionen wie z. B Verwaltung, Logistik oder IT, während 615 Unternehmen ihre Hauptunternehmensfunktion (z. B. Produktion oder Forschung und Entwicklung) ins Ausland verlagerten.

Als Hauptmotive für die Verlagerung nannten die Unternehmen die Verringerung der Lohnkosten (74 %), strategische Entscheidungen der Konzernführung (62 %), andere Kostenvorteile (59 %) sowie den Mangel an qualifizierten Fachkräften im Inland (38 %).

Wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen als Treiber

Hohe Energiekosten, schlechte politische Rahmenbedingungen und übermäßige Bürokratie werden von den Unternehmen als Hauptgründe für die Abwanderung genannt. Dies berichtet die WirtschaftsWoche. Eine Umfrage aus dem Jahr 2024 zeigte, dass 60 % der Unternehmen hohe Energie und Rohstoffpreise als Hauptrisiko sehen, während 57 % die schlechten wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als Problem benennen.

Warnungen des BDI und der DIHK

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) warnte bereits 2023 vor einer schleichenden Abwanderung. 30 % der Mittelständler planten, Teile der Produktion ins Ausland zu verlagern, 16 % waren bereits aktiv dabei und 15 % hatten die Produktion in Deutschland bereits gedrosselt oder unterbrochen. BDI-Präsident Siegfried Russwurm betonte, dass ohne Verbesserung der Rahmenbedingungen die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland weiter leiden werde, und forderte Bürokratieabbau, gezielte Steuersenkungen sowie einen wettbewerbsfähigen Industriestrompreis. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) bestätigte diesen Trend und warnte vor einer schleichenden Abwanderung deutscher Unternehmen.

Miele baut 1.300 Arbeitsplätze in Gütersloh ab und verlagert 700 Stellen nach Polen. Porsche plant eine neue Produktionsstätte möglicherweise in Nordamerika aufgrund von Subventionen von fast 2 Milliarden Euro. Kärcher verlagert Arbeitsplätze von Reutlingen nach Lettland. Weitere Unternehmen wie Continental und Bosch ziehen Verlagerungen in Betracht.

Fazit

Die Abwanderung deutscher Unternehmen ist ein komplexes Phänomen, das durch hohe Kosten, bürokratische Hürden und fehlende Wettbewerbsfähigkeit getrieben wird. Ohne gezielte Maßnahmen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen könnte dieser Trend die wirtschaftliche Stabilität Deutschlands langfristig gefährden.