In der Corona-Krise sind die Forderungsrisiken deutscher Unternehmen extrem gestiegen. Wie das aktuelle Zahlungsmoralbarometer des Kreditversicherers Atradius zeigt, mussten die Firmen seit Beginn der Pandemie 7 Prozent des Gesamtwerts der Forderungen abschreiben. 2019 lag dieser Wert noch bei 2,1 Prozent. Trotzdem gewähren immer mehr Unternehmen Zahlungsziele.

Geschäftsabschlüsse um jeden Preis. Das scheint in dieser schwierigen Zeit wohl das Motto vieler Firmen zu sein. Denn um ihre Geschäftsbeziehungen zu erhalten, weiten immer mehr Unternehmer die Lieferantenkredite aus. So gewähren laut der Atradius-Studie 34 Prozent der Befragten häufiger Zahlungsziele als vor der Krise. Die eingeräumten Zeiträume haben sich dabei mehr als vervierfacht auf mittlerweile 92 Tage.

DSO ist stark gestiegen

So verwundert es auch nicht, dass sich die Zeit zwischen Rechnungsstellung und Zahlungseingang (DSO, Days Sales Outstanding) seit Beginn der Pandemie erhöht hat. Bei 41 Prozent der deutschen Firmen stieg die Zeitspanne um mehr als zehn Prozent an. Im Schnitt liegt die Zeitspanne momentan bei 150 Tagen. Zum Vergleich: In ganze Westeuropa liegt sie bei 98 Tagen. Besonders hoch ist die Dauer bei Unternehmen aus der Transportbranche (200 Tage) und Unternehmen der Stahl- und Metallbranche (193 Tage).

Die langen Zahlungsziele gehen oft auf eigenes Risiko: Mehr als zwei Drittel der Befragten wollen die Risiken für Zahlungsausfälle in den nächsten Monaten selbst tragen und nicht extern versichern lassen. Dabei sind auch die Risiken seit Ausbruch der Pandemie gestiegen. Waren 2019 noch 32 Prozent von zu spät bezahlten Rechnungen betroffen, sind es dieses Jahr 53 Prozent.

Höhere Inkasso-Kosten

Die Kosten, um die Forderungen doch noch einzuholen, sind dabei ebenfalls gestiegen: 56 Prozent der Unternehmen mussten zusätzliche Kapazitäten bereitstellen, um ihr Geld einzuziehen. Die Liquidität trifft das oftmals schwer – weil die Zahlungseingänge fehlen, mussten dieses Jahr 47 Prozent der Firmen auf externe Finanzierungen zurückgreifen.

Während im Inland vor allem für kleine und mittlere Unternehmen immer längere Zahlungsziele gewährt werden, sind lange Fristen für ausländische Lieferanten momentan wenig beliebt. Bei insgesamt 20 Prozent des Umsatzvolumens lehnten deutsche Firmen eine Rechnung mit Zahlungsziel ab. Der Großteil davon entfiel auf Lieferanten aus dem Ausland.